Schulraumbaute / Stand der Projektarbeiten
Nach der Wahl des Siegerprojekts wurden die Arbeiten zur Weiterentwicklung des Projekts kontinuierlich vorangetrieben. Die Baukommission begleitet den Prozess eng und trifft sich in regelmässigen Sitzungen, um die nächsten Planungsschritte zu koordinieren und zentrale Fragestellungen zu behandeln.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Phase sind zum Beispiel Begehungen vor Ort, bei denen die bestehende Schulanlage gemeinsam mit den Architekten analysiert wird. Dabei werden räumliche Gegebenheiten überprüft, mögliche Anpassungen diskutiert und die Voraussetzungen für eine optimale Einbindung der neuen Gebäudeteile in das bestehende Schulareal geschaffen.
Parallel dazu finden verschiedene Gespräche mit den beteiligten Anspruchsgruppen statt. In diesen Besprechungen werden die Bedürfnisse des Schulbetriebs, sowie weiterer Nutzergruppen aufgenommen und in die Planung integriert. Ziel ist es, eine Lösung zu entwickeln, die den zukünftigen Anforderungen der Schule bestmöglich gerecht wird und gleichzeitig wirtschaftlich sowie funktional überzeugt.
Gleichzeitig werden die organisatorischen und vertraglichen Grundlagen für die weitere Planung geschaffen. Dazu gehört insbesondere die Ausarbeitung der Fachplanerverträge sowie die Vorbereitung der nächsten Planungsphasen. Mit diesen Arbeiten werden die Voraussetzungen geschaffen, damit das Projekt schrittweise konkretisiert und bis zur vorgesehenen Baukreditabstimmung vom 29. November 2026 weiter ausgearbeitet werden kann.
Die Architekten stellen sich vor
Mit dem Projekt «Quartett» der ARGE Annen/Bellot/Franc wurde im Studienauftrag zur Weiterentwicklung der Schulinfrastruktur in Untereggen eine überzeugende Lösung gefunden. Das Siegerprojekt bildet die Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Schulareals und soll den Anforderungen eines modernen Schulbetriebs gerecht werden. Im Rahmen der weiteren Projektbearbeitung stellen sich die verantwortlichen Architekten der Bevölkerung vor und standen gegenüber der Gemeinde Red und Antwort:
Was war der Grund für euch, am Studienauftrag teilzunehmen?
Als sehr positiv haben wir die Präqualifikation durch einen Projektvorschlag empfunden. Dadurch konnten wir uns stärker auf den Inhalt und die Entwicklung der aus unserer Sicht besten Lösung konzentrieren, statt viel Energie in unseren Auftritt zu investieren, wie es bei anderen Wettbewerbsverfahren oft der Fall ist.
Generell interessiert uns die Bauaufgabe des Schulhauses sehr. Für uns ist es sinnstiftend, einen Beitrag leisten zu dürfen, für Kinder und Lehrpersonen einen wichtigen sozialen Ort des Aufwachsens, Lernens und Arbeitens mitzugestalten.
Ausschlaggebend für unsere Teilnahme war jedoch vor allem das Potenzial des Ortes selbst und die Möglichkeit, an der Weiterentwicklung des Dorfes mitzuwirken. Bei der ersten Besichtigung vor Ort waren wir berührt von der landschaftlichen Schönheit mit Blick über den Bodensee sowie vom dorfbaulichen Ensemble aus Kirche, Pfarrhaus, Schulhaus und Mehrzweckhalle. Gleichzeitig haben wir wahrgenommen, dass das Schulhaus und der Schulhausplatz heute stark verbaut sind. So sind wir nach Hause gefahren und haben darüber nachgedacht, wie sich auf möglichst einfache Weise die vorhandene Schönheit des Ortes herausarbeiten lässt.
Besonders gereizt hat uns zudem, dass es sich beim Projekt im Kern um ein Um- und Weiterbauen handelt. Für uns ist das ein sehr zeitgemässer Ansatz. Entwerferisch ist er spannend, weil man sich an Vorhandenem orientiert und ein Gebäude zunächst verstehen muss, bevor daraus ein Projekt entstehen kann. Oft entwickeln sich gerade aus dieser Auseinandersetzung neue Ideen. Gleichzeitig bietet der Umbau grosses Potenzial für ressourcenschonendes Bauen.
Wir freuen uns sehr, für die Gemeinde Untereggen mit der Planung der Schule und des gemeinschaftlichen Platzes einen Beitrag zur weiteren Entwicklung des Dorfes leisten zu dürfen.
Was muss man über euch wissen? Stellt euch doch bitte kurz vor?
Wir sind das Atelier o’Sol, bestehend aus Julien, Matthias und Thomas und kommen aus dem Dreieck Cham-Baden-Zürich. Zusammengerechnet sind wir 108 Jahre alt. Kennengelernt haben wir uns im Architekturstudium an der ETH in Zürich und seither verbindet uns eine enge Freundschaft.
Nach unserer Tätigkeit in verschiedenen renommierten Architekturbüros sowie Lehrtätigkeiten von Julien und Thomas an der ETH, hat sich unsere Zusammenarbeit zunächst in gemeinsamen Büroräumlichkeiten entwickelt und mündete schliesslich, auch dank des gewonnenen Projekts hier in Untereggen, in der Gründung unseres Büros. Wir teilen ähnliche Vorstellungen von Architektur und Zusammenarbeit und sehen den Zusammenschluss nach mehreren erfolgreichen Kollaborationen als logischen Schritt auf unserem gemeinsamen Weg. Uns verbindet eine sorgfältige Herangehensweise sowie die Vorstellung einer Arbeitskultur, die von Offenheit und Empathie geprägt ist.
Wir möchten Räume für Menschen schaffen, die berühren und in denen sie sich im Alltag entfalten können. Wichtig ist uns dabei nicht nur, dass sich Nutzerinnen und Nutzer in den Räumen wohlfühlen, sondern auch, dass im Entstehungsprozess ein angenehmer und konstruktiver Umgang im Projektteam gepflegt wird. Für uns ist das ein wichtiger Teil eines gesamtheitlichen Ansatzes. Gleichzeitig haben wir grosse Freude daran, komplexe Zusammenhänge zu durchdringen und daraus möglichst überzeugende Lösungen zu entwickeln.
Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass Julien und Matthias als Kinder von Lehrpersonen und Schulleiterinnen und Schulleiter quasi im Schulhaus aufgewachsen sind. Entsprechend haben sie sich bei der Besichtigung auf Anhieb wohlgefühlt.
Was sind eure Ziele für die neue Schule in Untereggen?
Mit dem Umbau der Räumlichkeiten möchten wir die Schule dabei unterstützen, den Anforderungen und Bedürfnissen eines zeitgemässen Unterrichts gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen die neu entstehenden Räume eine angenehme Atmosphäre schaffen, die das Lernen und Arbeiten positiv fördert.
Dazu braucht es erstmals ein genaues technisches Verständnis des bestehenden Hauses: seinem Wachstum, den vielen Umbauten, welche Wände tragen und wie Decken und Dächer spannen. Wir sind überzeugt, dass wir noch die eine oder andere Qualität und Überraschung freilegen in diesem Gebäude, welches über 100 Jahre Geschichte in sich trägt. Eine der konstruktiven Herausforderungen wird das Freilegen des bemerkenswerten zweigeschossigen Dachstuhls, welcher im Innenraum von seinen späteren Einbauten befreit wird. Hier sollen eine Bibliothek und eine offene Lernlandschaft Raum finden.
Darüber hinaus möchten wir dem freigeräumten Schulhof zusammen mit dem Anbau ein klares und einladendes Gesicht geben und einen attraktiven Ort für die Kinder, die Dorfgemeinschaft und deren BesucherInnen schaffen. In Untereggen fehlt unserer Ansicht nach ein klar definierter Dorfplatz. Der neue Schulhof hat das Potenzial dazu, ein solcher Platz zu werden. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch kommende Generationen sich in Untereggen wohl fühlen. Eine zeitgemässe Schule erachten wir als einen wichtigen Bestandteil, um Untereggen weiter attraktiv zu halten.
Gibt es ähnliche Bauten, welche ihr schon umgesetzt habt?
Wir durften bereits verschieden Projekte im dörflichen Kontext als Projekt- und Bauleiter planen und begleiten. Eines davon wurde für seine vorbildliche öffentliche Dorfentwicklung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde mehrfach ausgezeichnet. Ähnlich wie hier in Untereggen stand dabei häufig die behutsame Weiterentwicklung bestehender dörflicher Strukturen und des öffentlichen Raumes im Mittelpunkt.
Zudem haben wir an verschiedenen Wettbewerben für Schulhäuser und Kindertagesstätten teilgenommen und uns dabei intensiv mit den Anforderungen zeitgemässer Lernorte auseinandergesetzt. Viele unserer Projekte beschäftigen sich mit dem Umund Weiterbauen. Der sorgfältige Umgang mit bestehenden Gebäuden und Strukturen ist daher ein wichtiger Schwerpunkt unserer Tätigkeit.